32) Mit Schlenker über Phonsavan nach Vientiane – and the wheels on the bus go round and round..

Das als Reisebus angekündigte Transportmittel für die Fahrt nach Phonsavan glich im Endeffekt eher einem Minivan. Zwar einem mit 26 Plätzen, allerdings wurden diese auch von 29 Erwachsenen, drei Kleinkindern und zwei Säuglingen bevölkert, sodass der Busfahrergehilfe die insgesamt achteinhalb Stunden größtenteils serpentinige Fahrt stehen musste. Auch wenn von Beinfreiheit nicht die Rede sein kann, konnte man also durchaus dankbar sein, überhaupt einen Platz und diesen für sich zu haben. Gianna pfiff sich neben mir auf die Fahrt verteilt drei Reisekaugummis rein während der Typ vor uns zwischendurch aus dem Fenster hing, um sein Frühstück wieder loszuwerden. Doch der Blick aus dem Fenster machte alles wett: Wild bewaldete Berge soweit das Auge reicht, in der Höhe mit Nebel verhangen, in vereinzelten Tälern mit Häuser geschmückt und die ganze Zeit über in strahlenden Sonnenschein getaucht.

Phonsavan stellte sich als kleine nicht sonderlich ansehnliche Kleinstadt heraus, die mit ihrer einzigen Touristenattraktion, der Plain of Jars, nur verhältnismäßig wenige Touris anzieht. Wer außer uns ist schließlich so wahnsinnig nur deshalb für einen über achtstündigen Schlenker im Bus eingefercht zu sein. Trotz der Strapazen (auch jener, die folgten), sind wir froh, dort gewesen zu sein. Die Ebene der Tonkrüge beeindruckt natülich zum einen mit den „Ton“krügen (die eigentlich aus Stein sind) selbst. In drei Lagerstätten sind die einen halben bis drei Meter hohen und auf 1500 bis 2000 Jahre alt geschätzten Riesen in der Landschaft verstreut und verheimlichen gekonnt wer sie wofür ins Leben gerufen hat. Forscher sagen es könne sich um Urnen oder Destillationsgefäße für Begräbnisrituale handeln, manche Einheimische behaupten hingegen es seien Fässer zum Reisweinbrauen. Ganz genau wissen tut es allerdings keiner. Neben der mysteriösen Stimmung und den beeindruckenden Gefäßen hat es uns überdies mal wieder die Landschaft und der weite Blick auf Felder und Wälder und Berge angetan. Das ist aber auch schön, da mit dem Roller durchzujuckeln und anhalten zu können wann immer man es vor Enthusiasmus nicht mehr aushält und dringend (!) ein Foto machen muss. So konnten wir außerdem einen Abstecher zum Tad Lang Wasserfall machen. Besonders viel Wasser haben wir hier angesichts der Trockenzeit nicht angetroffen, doch die Landschaft war dennoch grandios. Und wann bekommt man schonmal die Möglichkeit, quasi km Wasserfall selbst (sprich in seinem Bett) herumzuklettern?

Am späten Nachmittag folgte dann der zweite strapaziöse Teil unseres Schlenkers, nämlich unsere erste Nachtbusreise. Praktischer Weise waren für die 10 Stunden Fahrt zwar waagerechte Betten im Bus installiert, allerdings (wie wir bereits aus Geschichten wussten) nicht besonders großzügig angelegt. Für die zierlichen und kleinen Laoten mag es zwar reichen, doch für uns waren 1,60m x 1,10m durchaus kuschelig und gestatteten es Gianna gerade so und mir gar nicht die Beine auszustrecken (zumindest nicht so man mit dem oberen Teil des Körpers ebenfalls eine liegende Position beibehalten wollte). So gut es ging machten wir es uns unter den kuschligen, freundlich zur Verfügung gestellten Decken gemütlich, versuchten uns in den Schlaf schunkeln und rütteln zu lassen und zwischendurch die für einsteigende Passagiere angeschaltete Partybeleuchtung des Busses zu ignorieren.

Im Morgengrauen dann doch etwas gerädert in Vientiane angekommen, ließen wir es erstmal ruhig angehen, linsten über den Mekong nach Thailand hinüber und kümmerten uns ansonsten um den Reisealltag Videos, Blog, Recherche und Wäsche.

Frisch mit Energie betankt starteten wir morgens unseren Ausflug zum etwas außerhalb Vientianes gelegenen Buddha Park. Nach mehrerem Herumgefrage fanden wir schließlich doch noch den öffentlichen Bus und kamen nach einer angenehmen Tuckelfahrt und kurzem Schock als fast alle an einem Bahnhof ausstiegen sicher am Park an. Ein sehr schöner Anblick wie all die völlig verschiedenen Skulpturen im Grünen verteilt stehen und sich dazwischen kleine Pfade entlangschlängeln. Durch die Mischung von Buddhismus und Hinduismus finden sich unter ihnen nicht nur Buddhas, sondern auch Menschen, Götter, Tiere und Dämonen. Zudem wurde das Gelände (das letztendlich kleiner als gedacht war) von einem kürbisähnlichen Gebäude verziert, in dessen Labyrinth man sich fast verlaufen konnte. In drei Stockwerken gab es nämlich immer einen Außen- sowie einen Innenkreis, die zwar immer mit Fenstern aber nicht immer mit einem Durchgang zueinander versehen waren. Hoch und runter kam man entweder durch eine sehr schmale Wendeltreppe in der Mitte oder ebenso enge Treppen im Außenkreis. Symbolisch stellen die Ebenen (wie wir im Nachhinein erfuhren) die Hölle, die Erde und den Himmel dar. Wir krachselten also durch den maulförmigen Eingang bis hinauf durch einen noch kleineren Ausgang auf das Himmelsdach und genossen den Blick auf den Park mit all seinen Skulpturen.

Trotz der ganzen bestaunten Buddhas durften ein paar Tempelbesuche natürlich dennoch nicht fehlen. Wat Si Sasek überraschte uns mit seinen sanften Pastellgelb- und Brauntönen, zu denen Gianna in ihrem Kleid zufälliger Weise ganz hervorragend passte. In der Phra Rabieng (zum Haupttempelgebäude hin offene und ihn umgebende Galerie) saßen nicht nur in zwei Reihen hintereinander fast ausschließlich in der gleichen Pose befindliche Buddhastatuen, sondern auch immer zwei kleine Buddhafiguren in jeder der hunderten torförmigen Vertiefungen in der Wand hinter ihnen.
Auf der weißen Fassade des Wat Phra Keo prangten wiederum frisch angemalte Elemente in strahlendem Gold und leuchtenden Rot. Innen glich er aufgrund der aufgestellten Vitrinen mit etlichen Buddhas darin eher einem Museum als einem Ort des Anbetens, doch von außen gefiel uns der neue Glanz ausgesprochen gut.
Etwas überfordert hat uns abschließend der Wat Si Muang mit seiner Farben- und Glitzerpracht. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte: zu den gold-rot verschnörkelten Säulen, den knallig bunten Gemälden oder den verschiedenartigsten Buddha- und Tierstatuen rund um das Gebäude. Es war auch tatsächlich der erste Tempel, an und in dem wir die Farbe ROSA erblickten. Sehr interessant, wenn auch insgesamt nach unserem Geschmack etwas zu viel des Guten.

Neben einem klassischen Nachtmarkt mit all den Schnabuleien, Schokusdingen, Spielzeugen und nachgemachten Markensachen, die das laotische und touristische Herz scheinbar begehrt, gibt es in Vientiane auch noch einen ziemlich unübersichtlichen Morgenmarkt. Hier werden neben dem bereits Genanntem auch noch sämtliche Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Schulsachen, Accessoires und Schuhe verscherbelt, die man sich so vorstellen kann. Uns zog er allerdings vorrangig für köstlich frisches Obst, gebackene Bananen, Sesambällchen und Bananenchips an.

Abschließend bestiegen wir noch das Patuxai – ein Siegesdenkmal aus Zement, welchen die USA ursprünglich für den Bau eines neuen Flughafens zur Verfügung gestellt hatte. Deshalb wird das Denkmal auch gerne „vertikale Rollbahn“ genannt. Man kann von Glück reden, dass die „Rollbahn“ in die Vertikale gebaut wurde, denn der Blick über die Stadt ist klasse und schick aussehen tut sie dazu mit ihren Zierelementen statt Fahrbahnmarkierungen.

Insgesamt also fleißg viel Busgefahre (round and round, round and round), doch auch durchaus viele andere aufregende Erlebnisse.

Rollertour zur Plain of Jars
Plain of Jars: Ausblick von Site 1
Plain of Jars: Site 2
Abstecher zum Wasserfall Tad Lang
Ein bisschen Wasser gabs auch am Wasserfall
Plain oft Jars: Site 3
Plain oft Jars: Riese auf Site 3
Riesenportion mit Riesenbeilagesalat für Sage und Schreibe 2€
Nachtbusgekuschel
Buddha Park
Abstruse Skulpturen im Buddha Park
Im Inneren des kürbisähnlichen Hölle-Erde-Himmel-Gebäude des Buddha Parks
Der Blick vom Himmel auf den Buddha Park
Ton in Ton mit dem Wat Si Sasek
Phra Rabieng des Wat Si Sasek
Wat Phra Keo
Wat Phra Keos frisch restaurierte Fassade
Wat Si Muangs wilde Farbpracht
Statuen und Farbspiel rund um den Wat Si Muang
Eine besonders schöne und vertikale Rollbahn: Das Siegesdenkmal Patuxai
Von Vientiane abschiednehmender Blick vom Patuxai

2 thoughts on “32) Mit Schlenker über Phonsavan nach Vientiane – and the wheels on the bus go round and round..”

  1. Waaahnsinn. Tolle Bilder. Nach kurzer Rätselraterei, wie ihr es schafft, in Eurem Bett liegend einen Wasserfall lang zu wandern, hab ich es dann auch verstanden. Diese Gefäße sind Pissoirs für die Riesen, die da mal wohnten, ist doch logisch. Und ja, an den Schnörkelbetten können sich hiesige Nachtzugausstatter mal ein Beispiel nehmen – göttlich. Hier immer noch bitterkalt und ungemütlich …. LG !!!

  2. Dieses kürbisähnliche Gebäude klingt ja verrückt!! Hoffentlich habt ihr da noch Fotos von, die ihr mir dann nochmal zeigen könnt :D Der „leere“ Wasserfall sieht beeindruckend aus mit diesen Kratern und den unterschiedlichen Farben… Zu dem Foto aus dem Schlafbus fällt mir nur ein: Hauptsache Schnörkel-Bett! Sehr lustig. Lasst es euch gut gehen ihr Süßen!

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