29) Chiang Mai – Looi Looi Krathong, Looi Looi Krathong

Die zweite Hälfte unserer Zeit in Chiang Mai wart durch das thailändische Lichtfest Loi Krathong geprägt, dessen Name übersetzt so viel wie „schwimmendes Floß“ bedeutet. Bei der dreitägigen Feier und auch zuvor sieht man bereits überall in den Straßen Thais, die derartige Krathongs aus Bananenstauden, Blüten, Räucherstäbchen und Kerzen geschickt zusammenfalten und -stecken. Diese werden dann der Tradition nach wohl mit einem Haar, einer Münze und einem Fingernagel bestückt zu Wasser gelassen und mit einem Gebet die Sorgen des vergangenen Jahres fortgeschickt. Darüber hinaus wurden wir Zeuge davon, wie die Stadt tagelang voller Aufregung mit unzähligen bunten Laternen geschmückt wurde und es überall kleine und größere keksähnlich anmutende Kerzen zu kaufen gab. Zum Auftakt wurden die Kerzen den gesamten Graben, der das viereckige Stadtzentrum umschließt, entlang aufgereiht und von Schülern in ihren Schuluniformen und neugierigen Passanten (wie uns zum Beispiel) nach und nach angezündet. Mit den Kerzen am Boden und den Laternen zwischen den Bäumen strahlt und leuchtet die Stadt auf ganz besondere Weise. Wir stromerten mit leuchtenden Augen durch die Straßen, zunächst entlang des Wassers und schließlich zu angekündigten Veranstaltungsorten. Am Three King’s Monument fanden die Miss-Wahlen statt, am Osttor wurde traditionelles Tanzen und Musizieren präsentiert und überall dazwischen etliche Essensstände aneinandergereiht. Im bereits zuvor erwähnten Wat Inthakin Sadue Muang (der schwarze Tempel Chiang Mais) erstanden wir selbst eine kleine Laterne, schrieben jeder etwas darauf und hingen sie zu all den anderen in den Tempel.

Am zweitem Abend wurden wiederum nach Lanna-Tradition ein nicht zu enden scheinender Strom an Khom Lois (zu deutsch „schwebende Fackeln“), also Kong-Ming-Laternen (diese Lampions im Heißluftballonprinzip) gen Himmel geschickt. Die Nawarat Bridge und ihre Umgebung war dementsprechend völlig überfüllt mit tausenden Menschen, die Laternen hochsteigen ließen, für Selfies posierten, über zurückkehrende Laternen aufschrien, das Spektakel filmten oder einfach nur bewunderten. Abgesehen von Menschen, waren die Straßen mit (fahrbaren) Ständen umrandet, an denen Thais für die hungrige Meute Fleischbällchen, Frühlingsrollen, Tofuhappen und Tarotaschen frittierte; Waffeln backte; Spieße, Wachteleier, und Nudeln briet; Früchte und Eis zu Shakes verarbeitete und Schnokus verkaufte. Begeistert futterten wir uns durch all die Köstlichkeiten und bewunderten dabei den Strom an aufsteigenden und am Vollmond vorbeischwebenden Laternen beschallt von hupenden Autos, rufenden Menschen, Loi Krathong singenden Lautsprechern und andere Musik dudelnden Boxen. Der Loi Krathong Song begleitete uns bereits seit den Vorbereitungen des Lichterfestes als grandios geeigneter Ohrwurm und ist natürlich thematisch hervorragend passend für diesen Blogeintrag. Falls ihr reinhören und mitsingen mögt, hier die Karaokeversion: https://youtu.be/UP1N2kYZ-Gc

Zum Höhepunkt und Abschluss des dreitägigen Feierns fand ein riesiger an Karneval der Kulturen erinnernder Umzug statt. Prachtvoll geschmückt und verkleidet reihten sich prunkvolle Wägen sowie tanzende, musizierende, senftentragende, wägenziehende oder einfach nur schönaussehendlächelnde Thais aneinander und zogen gemächlichen Schrittes durch die gesamte Innenstadt. Statt die Straßen zur staunenden Meute hin abzusperren, wie man es wohl in Deutschland vorfinden würde, begnügten sich die Veranstalter hier, Polizisten mit schrillenden Trillerpfeifen vorzuschicken, um genügend Platz zu schaffen. Insgesamt sehr beeindruckend und wundervoll anzusehen.
Parallel dazu (und wie wir später erfuhren auch bereits am zweiten Tag) ließen etliche Menschen die bereits beschriebenen Krathongs in den Fluss. Das war enttäuschender Weise weniger idyllisch als erwartet. Die sich darauf befindenden Kerzen und Wunderkerzen gingen nämlich recht zügig wieder aus, sodass die in der trüben Brühe des Mae Nam Ping flüssabwärts treibenden Krathongs eher wie Müll aussahen. Dennoch hatte die Stimmung etwas besonderes. Denn auch hier hörte der Strom nicht auf. In diesem Fall an Menschen, die mit ihren Krathongs ans Ufer wollten, um diese mit einem Gebet zu Wasser zu lassen.

Unerfreulicher Weise (doch zum Glück mit guten Ausgang!) mussten wir zwischendurch einem Krankenhaus einen Besuch abstatten. Julis Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, die bei uns eine kurze Malariapanik auslösten wurden in einem ewigen Hin und Her zwischen Wartezimmer und Behandlungsraum letztendlich als Beginn einer Hals(ja, das fanden wir auch merkwürdig…)infektion diagnostiziert. Sie hat Antibiotika bekommen und wir konnten uns an den Krankenschwesteroutfits erfreuen (wundervoll oldschool samt mit Haarnadeln festgestecktem Hütchen).

Als krönenden Abschluss unserer Zeit in Chiang Mai besuchten wir den zurecht berühmten Wat Phra That Doi Suthep. Bereits die zum Tempel führende Treppe ist beeindruckend, sie scheint ewig in die Höhe zu steigen, begleitet von zwei Schlangen, die das Geländer emporkriechen. In der Mitte der Tempelanlage selbst ist ein vergoldeter Chedi, der zur Abendstunde in warmes Licht getaucht ist und damit die umliegenden Tempelgebäude zum Leuchten bringt. Auf akustische Ebene wurden wir von Mönchsgesängen eingehüllt.

Am Abend vor Julis Abflug gingen wir zudem erstmals in eine Bar, kosteten zwei verschiedene thailändische Biere und verbrachten bei Rock vergnügt den letzten Abend zu viert.

Abschließend noch ein laar Sätze zu thailändischen Besonderheiten.
1. Die Schuhe muss man nicht nur in Tempeln, sondern auch in fast allen Hostel und einigen Läden (darunter auch manche Apotheken) ausziehen.
2. Die Bäder von Hostels sind gerne als Gesamtnassräme gestaltet. Sprich, die Dusche hat keine Kabine, sodass man beim Duschen das gesamte Bad samt Waschbecken und Toilette unter Wasser setzt und entsprechend auch nach dem Pinkeln nassfüßig das Bad verlässt. Manchmal gibt es auch Kabinen, doch auch in diesem Fall hat die Dusche oft keine separate Kabine, sondern teilt sie sich mit einer Toilette.
3. Die Stufen der meisten Treppen sind für uns trampelige Riesenfußeuropäer generell nicht tief genug. Man watschelt also leicht schräg gestellt die Treppen hinunter und muss gleichzeitig darauf achten, sich den Kopf nicht an irgendeinem niedrigen Vorsprung zu stoßen.
4. Das Essen wird, so man es als Takeaway mitnehmen möchte, in Plastiktüten getan und diese mit Luft aufgebläht durch einen speziell herumgewickelten Gummi verschlossen.

Wir verbuchen auf die Liste der lustigen Schreibweisen: Omelatt, puropse und a lar carte.

Achja, und für alle, die es bisher noch nicht bemerkt haben: Nach und nach fügen wir zu den entsprechenden Blogeinträgen auch bewegte Bilder mit Eindrücken aus der Ferne ein. :)

Keksteelichte am Ufer des Kanals
Den Kerzen folgend durch die Stadt
Lauter bunte mit Wünschen und Grüßen beschriftete Laternen vor dem Wat Inthakin Sadue Muang
Ein goldener Sternenhimmel aus Khom Lois
Prunk und Pracht des Umzuges
Noch mehr Prunk und Pracht
Thailändische Krankenschwesteroutfits
Buddhastatuen im Wat Phra That Doi Suthep
Vor dem Chedi des Wat Phra That Doi Suthep

Ein Gedanke zu „29) Chiang Mai – Looi Looi Krathong, Looi Looi Krathong“

  1. Neues Gedankenfutter – fein!
    Auf die Zeitrafferfahrt mit dem Roller auf der falschen Seite der Serpentinenstraße hätte ich zu meiner Beruhigung lieber verzichtet. :)
    Kopfzerbrechen macht mir eine der drei Schreibweisen – was bitte ist „puropse“? Ein Buchstabendreher von purpose? Steh aufm Schlauch.
    Ich hoffe, Julia ist mittlerweile gut zu Hause angekommen und wieder wohlauf …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.