33) Konglor und Pakse – deine Welt sind die Beherge.

Der Tag an dem wir nach Konglor fuhren bedachte uns mit eindeutig zu vielen Schocks als es sich für einen einzelnen Tag gehört – vor allem da sich zwei Drittel von ihnen uns bereits am Morgen innerhalb einer Stunde attackierte.

Nachdem ein ATM an der Mall sich am Abend zuvor an meiner Karte verschluckt hatte, bekamen wir gesagt, wir sollen am nächsten Morgen ab 8 Uhr in der Filiale in der Mall nachfragen. Selbst das ließ uns nur eine Stunde vor der Abfahrt unseres Busses, um die Karte zu bekommen. Doch wie immer, kommt alles anders als man denkt…
Schock Nr. 1: Da war keine Filiale in der Mall.
Schock Nr. 2: Das Tuc Tuc, welches uns zu der Filiale bringen sollte, fuhr zu einer anderen.
Schock Nr. 3: Diese Filiale machte erst um 8:30 auf.
Schock Nr. 4: Nachdem sie sich uns noch vor offizieller Öffnung annahmen, sagte man uns, wir sollen am nächsten Tag nochmal kommen.
Schock Nr. 5: Nach einigem Herumtelefonieren sagte man uns, es käme ab 9 Uhr jemand.
Schock Nr. 6: Der in den Automaten blickende Mitarbeiter sagte, die Karte sei nicht darin.
Ich erspare euch das dazwischenliegende Hin und Her und sage nur noch eines: Danke danke danke an die hilfsbereiten Mitarbeiter, die sich uns annahmen obwohl sie offiziell noch gar nicht arbeiteten.
Wir vermerken: Kreditkarten werden nur in geöffneten Banken in Automaten geschoben.

Dass wir mit dem Bus natürlich keine fünf (wie die Touristeninformation, in der wir buchten, als einzige behauptete) und auch keine sieben (wie alle anderen Touristeninformationen angaben) sondern letztendlich achteinhalb Stunden brauchten und natürlich auch nur durch eine Bus-TukTuk-Kombi mit Aufpreis in Konglor ankamen, war im Endeffekt auch nur noch zum lächelnd den Kopf schütteln. Da schaut man doch lieber aus dem Fenster und freut sich der weiten Felder, des strahlend blauen Himmels, der kratzigen grauen Berge, der lachenden Sonne und der flauschigen grünen Hügel entlang des Weges.

Schock Nr. 7: Wir hatten vor lauter Schocks natürlich kein Geld mehr abgehoben, waren blanker als gedacht und im Dörfchen Konglor gab es keinen ATM, sondern nur im nächsten 43km entfernten Ort, von aus wir zuvor über eine Stunde Tuk Tuk gefahren waren.
Zum Glück hatten wir uns allerdings zuvor US Dollar besorgt und konnten diese im Hostel zurück zu Kip tauschen.

So stand unserem Ausflug in die Konglor Caves also nichts mehr im Wege. Da wir abends in der Dunkelheit gar nicht sehen konnten, wo wir überhaupt gelandet waren, standen wir morgens ziemlich baff auf unserer kleinen Veranda: Felder soweit das Auge reicht und der Horizont gesäumt von Bergen. Ein Traum! Nachdem wir uns losreißen konnten, stiefelten wir durch den kleinen Ort, vorbei an Häusern und Kühen und spielenden Kindern und anschließend durch den waldigen Nationalpark bis hin zum Wasser. Einem Guide folgend liefen wir sprachlos staunend entlang des türkiesgrünen Flusses bis hin zu den kleinen Booten am bergigen Eingang der Höhle. Mit unseren schicken Kopflampen, Rettungswesten und unseren daran befestigten Schuhen schipperten wir nun ins Dunkle der Höhle. Zwischendurch stiegen wir aus, um ein Stückchen die die Stalagmiten und -titen bewundernd einen Weg im Inneren zu bewandern. Nachdem unser Fahrer zwei Mal auf eine Sandbank aufsetzte, klopften unsere Herzen doch etwas schneller, wenn das Boot durch eine enge Stelle fuhr oder direkt auf einen Stein beziehungsweise die Höhlenwand zusteuern zu schien. Doch während es in unseren Köpfen schrie „Er weiß was er tut, Er WEISS was wer tut, ER WEISS WAS ER TUT“ chauffierte er uns sicher durch die Höhle, hinaus zu einem Picknickplätzen (mit zauberhaften auf uns herumkletternden Babyäffchen, von denen einer versuchte, mir meine Leberflecken abzupulen…!) und wieder zurück durch die Höhle zu unserem Startpunkt. Nachmittags saßen wir dann erfüllt auf unserer Terrasse und beschlossen diesen Ausblick dringend noch für einen weiteren Tag genießen zu wollen und buchten einen weitere Nacht.
Und wie wir ihn genossen den Ausblick. 80% des Tages verweilten wir auf unserem Himmel von Terrasse und machten nur Ausflüge zum Essen und Spazieren gehen. Durchs Dorf wandernd stellten wir fest, dass dies wohl ziemlich authentisches Laosdorfleben ist: kegelförmige Strohhüte, bellende Straßenhunde, Männer mit handbetriebenen Maschinen zur Feldarbeit, herumgackernde Hühner, winkende Kinder, grasende (oder tragischer Weise eher auf Müll herunkauende) Kühe und waschende Frauen am Fluss. Der Fluss schien wie wir feststellten nicht nur Waschraum sondern auch Badezimmer zu sein. Waschmittel und Shampoo schäumten fröhlich stromabwärts an den schnatternden Enten vorbei und wir fühlten uns plötzlich ein wenig wie gaffende Eindringlinge und gingen zurück.

Spannend an Konglor war auch, dass wir tatsächlich das erste Mal froren! Abends unter dem sternklaren Himmel wehte ein kühler Wind, sodass wir in unsere Fließjacken schlüpften und uns an einer warmen Suppe wärmten.

Im Morgengrauen wurden wir von einem dem krähenden Hähnen Konkurrenz machend Tuk Tuk eingesammelt, welches lautstark hupend durch das schlafende Dorf fuhr und sich nach und nach füllte. Selbst als es voll schien, hupte unser Fahrer fröhlich weiter und sprangen die Laoten bei jedem Stopp hilfsbereit aus dem Wagen, um Frauen und Kindern Sitzplätze zu geben und weitere Taschen, Eierpaletten, Reissäcke, Plastikeimer oder Feldarbeitgerätschaften unterzubringen. Passt nicht? Gibt’s nicht! Während wir normaler Weise in einem solchen Tuk Tuk zu zehnt gefahren sind, fanden auf unerklärliche Weise 26 Erwachsene, 4 Kinder, 2 Säuglinge und ihr jeweiliges Gepäck im und am Tuk Tuk Platz. Angesichts des Zeitaufwands alle(s) einzuladen und des Schneckentempos mit dem wir mit der Ladung die Berge hochkrochen, brauchten wir fünf statt der angekündigten zweieinhalb Stunden nach Thakek. Von dort aus ging es mit dem Bus weiter nach Pakse. Passt.nicht.gibts.nicht-mäßg wurden hier für die dazusteigenden Plastikhocker in den Gang zwischen den Sitzreihen gestellt. Zur augenscheinlichen Unterhaltung der Laoten und zum Grauen unsererseits, liefen auf dem mit Ducktape eingerahmten Fernseher zunächst zwei Stunden einer furchtbaren Comedysendung und die restlichen sechs Stunden schmalzige Popmusikvideos, die lautstärketechnisch kaum bis nicht von Kopfhörern mit eigener Musik zu übertönen waren. Man rechnet zwar damit, dass man länger und womöglich unbequemer als erwartet unterwegs ist, doch diese 14 Stunden von A nach B hatten es wirklich in sich.

Nach einer anständigen Portion Schlaf starteten wir am nächsten Morgen mit vier Koreanern und unserem Fahrer für den Tag zum Bolavenplateau (dem einzigen Grund, warum Touris überhaupt in Pakse verweilen). Eingeplant waren Stopps an drei Wasserfallen, zwei lokalen Dörfern sowie einem Café/Shop samt Kaffe- und Teeplantagen. Klingt nach Abklappern, doch letztendlich war es ein sehr schöner und abwechslungsreicher Tag ohne zu viel Stress an den einzelnen Stationen. Gleich zu Beginn überraschte uns der erste Wasserfall Tad Fane mit seiner unfassbaren Höhe und den tiefgrünen ihn umgebenen Bergen. Vom Aussichtspunkt konnte man quer durchs Tal in die Ferne staunen.
Eine kleine Stärkung gabs beim anschließenden Kaffee- und Teetasting. Neben laotischem Kaffee kosteten wir grünen, roten und gelben Tee und wanderten anschließend durch die Plantagen. Interessant die Ursprungspflanzen von ganz alltäglichen Lebensmitteln zu sehen, über die man sich bisher so wenig Gedanken gemacht hat.
Der Besuch der lokalen Dörfer war mir persönlich zu menschenzoomäßig. Die Kinder waren inzwischen schon so sehr an die großzügigen Touristen gewöhnt, dass sie frech in die Hände klatschend nach Süßigkeiten verlangten. Da hörte es dann bei mir endgültig auf.
Für die Mittagspause machten wir einen längeren Halt am zweiten Wasserfall, Tad Lo, der seinerseits mit Breite statt Höhe punktete.
Der letzte Wasserfall war zwar weder hoch noch breit, doch mit seiner Lage im Wäldchen und steinigem Flussbett ein idyllischer Abschluss des Tourtages.

Traumterassenblick
Fröhliche Cavetourende
Stalaktiten und -mitten im Konglor Cave
Nach dem Dunkel der Höhle: Blick in die wunderschöne Landschaft drumherum
Affenakrobatik
Ausruhen nach der wilden Bootstour durchs Cave
Passt.nicht.gibts.nicht-TukTukBesetzung
Der schlanke Riese Tad Fane
Laotischer Kaffee mit Milch (sehr süß, aber lecker)
So sehen also Kaffeepflanzen aus!
Tad Lo und seine Besucher
Lokales Dorf
Wasserfall Nr. 3
Entspannte Idylle an Wasserfall Nr. 3 zum Abschluss

2 thoughts on “33) Konglor und Pakse – deine Welt sind die Beherge.”

  1. SUPER das Leberfleckpulende Babyäffchen!!! :)DDDD
    Habt weiter so wundervolle Erlebnisse.
    Ich drück Euch beide ganz fest. Kussn!
    Angela

  2. Wow, schon wieder ein Bericht – yippieh.
    Wie dankbar war ich, dass ich die letzten Ohrwürmer nicht kannte. Dieser indes hat sich direkt unerbittlich in mein Ohr geschraubt.
    Amüsiert hab ich mich über das Foto mit den zwei Kaffeepflanzen in weißen Blusen. :)
    Die Fortbewegung in öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort scheint eine Übung in Gelassenheit zu sein, der ich mit etwas Sorge entgegenblicke. Sollte vielleicht beginnen, vor Reiseantritt Baldrian einzunehmen. („Baldriaaan …“)
    Liebe Grüße an Euch in der Wärme.

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